Mieterstrom
Mieterstrom heißt: Der Strom von der Solaranlage auf dem Dach wird nicht ins Netz verkauft, sondern direkt an die Mieter im selben Haus geliefert.
Was das für dich bedeutet
Der Weg ist kurz: Dach, Wechselrichter, Zähler, Wohnung. Weil der Strom das öffentliche Netz nie verlässt, entfallen Netzentgelte und ein Teil der Abgaben. Genau daraus entsteht der Preisvorteil, den Mieter spüren und der die Anlage für den Eigentümer interessant macht.
Rechtlich wirst du damit allerdings zum Stromlieferanten. Das ist der Punkt, den viele unterschätzen. Der Stromvertrag ist ein eigener Vertrag neben dem Mietvertrag. Er darf nicht mit der Miete gekoppelt werden — kein Mieter muss den Strom vom Vermieter abnehmen, und die Kündigung des Stromvertrags darf das Mietverhältnis nicht berühren. Über die Betriebskostenabrechnung läuft das ebenfalls nicht.
Dafür gibt es Regeln, die dich schützen und begrenzen. Der Preis für Mieterstrom darf einen bestimmten Anteil des örtlichen Grundversorgertarifs nicht überschreiten. Reicht die Sonne nicht, muss Reststrom aus dem Netz dazugekauft werden, damit niemand im Dunkeln sitzt. Und für den gelieferten Strom gibt es unter bestimmten Voraussetzungen einen Zuschlag nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.
Seit einigen Jahren gibt es zusätzlich eine schlankere Variante, die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung. Dabei wird der Strom innerhalb des Gebäudes verteilt, ohne dass der Eigentümer die vollen Pflichten eines Energieversorgers übernimmt. Für kleinere Häuser ist das oft der praktikablere Weg.
Beispiel: drei Wege, den Solarstrom zu nutzen
Auf demselben Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen sind drei Modelle denkbar:
| Modell | Wohin geht der Strom | Aufwand für dich |
|---|---|---|
| Volleinspeisung | komplett ins Netz | gering, feste Vergütung |
| Mieterstrom | an die Mieter, Rest ins Netz | hoch, du wirst Stromlieferant |
| Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung | an die Wohnungen im Haus | mittel, ohne volle Lieferantenpflichten |
Quelle: eigene Darstellung nach EEG (Mieterstromzuschlag) und § 42b EnWG (gemeinschaftliche Gebäudeversorgung). Welches Modell zulässig und wirtschaftlich ist, hängt vom Einzelfall ab.
Die Rechnung entscheidet sich an drei Zahlen: wie viel Strom die Anlage im Jahr liefert, wie viel davon tatsächlich im Haus verbraucht wird und was Messtechnik und Abrechnung kosten. In Häusern mit vielen kleinen Wohnungen und ganztägiger Anwesenheit läuft das Modell besser als dort, wo alle tagsüber arbeiten.
Worauf du achten solltest
Ein Punkt vorweg, der über alles andere entscheidet: das Dach. Eine Anlage lohnt sich nur, wenn die Eindeckung die nächsten zwanzig Jahre hält. Wer Module auf ein Dach schraubt, das in fünf Jahren neu gedeckt werden muss, zahlt den Ab- und Wiederaufbau zweimal. Ein Dachdecker sollte deshalb vor dem Solarteur auf das Haus schauen.
Rechne die Verwaltung ehrlich mit ein. Zählerablesung, Abrechnung, Preisanpassungen, Wechsel von Mietern, Meldungen an Netzbetreiber und Marktstammdatenregister — das ist laufende Arbeit, keine einmalige Investition. Viele Eigentümer geben diesen Teil deshalb an einen Dienstleister ab, der die Anlage betreibt und abrechnet.
Prüfe außerdem die steuerliche Seite, bevor du startest. Bei vermieteten Objekten kann der Verkauf von Strom die Einkünfte anders einordnen als die reine Vermietung, und bei Gesellschaften droht im ungünstigen Fall eine gewerbliche Prägung des gesamten Betriebs. Das ist kein Detail am Rand, sondern eine Frage für den Steuerberater — am besten vor der ersten Unterschrift.
Und hol die Mieter früh ins Boot. Ein Modell, bei dem am Ende nur zwei von acht Wohnungen mitmachen, trägt sich selten. Ein kurzes Schreiben mit dem konkreten Preisvergleich überzeugt mehr als jede Broschüre über Klimaschutz.
Verwandte Begriffe
- Photovoltaikanlage — die Technik auf dem Dach.
- Photovoltaikpflicht NRW — wann eine Anlage vorgeschrieben ist.
- Betriebskosten — wovon der Stromvertrag streng zu trennen ist.
- Contracting — die Auslagerung von Wärme oder Strom an einen Dienstleister.
- Energieeffizienzklasse — wie sich der Energiestandard im Wert niederschlägt.
Alle übrigen Begriffe stehen alphabetisch im Lexikon der Immobilienbegriffe.
Ob sich das Modell für dein Haus rechnet, hängt am Verbrauch der Mieter und an der Betreuung im Alltag. Wie der laufende Betrieb organisiert wird, steht auf der Seite Mietverwaltung.
Kurz zusammengefasst
Beim Mieterstrom verkaufst du den Solarstrom im eigenen Haus weiter, statt ihn einzuspeisen — und wirst damit nebenbei zum Stromlieferanten mit allen Pflichten. Daran scheitern die meisten Projekte: Messtechnik, Abrechnung und der Zukauf von Reststrom fressen den Preisvorteil auf, wenn im Haus tagsüber kaum jemand da ist. Rechne den tatsächlichen Eigenverbrauch durch und schau dir die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung als schlankere Variante an.
Steckst du gerade mitten drin?
Begriffe nachschlagen ist das eine. Wenn es konkret wird, hilft ein Gespräch mehr als jede Definition. Zehn Minuten am Telefon klären meist mehr als eine Stunde Lesen.
Auskunft kostet nichts, auch wenn daraus kein Auftrag wird.
Christian Gottschling
Beim Vermieten entscheidet die Auswahl des Mieters über dein Ergebnis. Ruf einfach an, wenn du wissen willst, was deine Wohnung bringt und wie die Prüfung abläuft.
Geschäftsführer der GOTTSCHLING Immobilien GmbH · Termine bei dir vor Ort in Bochum