Vor dem Kauf rechnen

Sanierungskosten realistisch kalkulieren

Gewerk für Gewerk, mit Puffer — damit aus dem Schnäppchen kein Fass ohne Boden wird.

„Für 250.000 kriegen wir das Haus, und dann machen wir es halt nach und nach.“ Diesen Satz hörst du auf jeder zweiten Besichtigung eines Sechzigerjahre-Hauses. Er ist der Anfang der meisten Fehlkalkulationen. Sanierungskosten realistisch kalkulieren gelingt, indem du drei Dinge tust: jedes Gewerk einzeln mit einer Spanne ansetzen, Baunebenkosten von zehn bis fünfzehn Prozent addieren und auf die Summe noch einmal fünfzehn Prozent Puffer legen. Wer nur die Gewerke zusammenzählt, landet am Ende regelmäßig ein Drittel über seinem Budget.

Der Grund ist banal: Beim Aufreißen kommt heraus, was vorher niemand sehen konnte. Ein feuchter Sockel, eine Leitung ohne Schutzleiter, eine Decke, die nicht trägt. Diese Überraschungen sind kein Pech, sie sind die Regel — und deshalb gehören sie in die Kalkulation.

Sanierungskosten kalkulieren, Schritt eins: die Gewerke einzeln ansetzen

Rechne nie pauschal „ungefähr 1.000 Euro je Quadratmeter“. Diese Faustzahl schwankt so stark, dass sie nichts wert ist. Gehe stattdessen das Haus durch und setze für jedes Gewerk eine Spanne an. Die folgende Tabelle zeigt Orientierungswerte für ein freistehendes Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern Wohnfläche, Baujahr Anfang der Sechziger, unsaniert.

Gewerkvonbis
Dach neu decken, inklusive Dämmung (180 m² Dachfläche)27.000 €45.000 €
Fenster und Haustür (18 Einheiten)12.600 €21.600 €
Heizung inklusive Hydraulik und Heizflächen25.000 €40.000 €
Elektroinstallation komplett13.000 €20.800 €
Bad komplett, inklusive Leitungen15.000 €25.000 €
Böden, Innentüren, Malerarbeiten13.000 €23.400 €
Fassadendämmung (200 m² Fassade)30.000 €50.000 €
Summe Gewerke135.600 €225.800 €

Orientierungsspannen aus begleiteten Sanierungen, keine amtliche Statistik. Preise schwanken erheblich mit Auftragslage, Zuschnitt, Ausstattung und Zugänglichkeit. Verbindlich sind nur Angebote von Fachbetrieben.

Die Spanne zwischen der linken und der rechten Spalte beträgt 90.000 Euro. Das ist kein Rechenfehler, sondern die Wahrheit über Sanierungskosten: Sie hängen von Entscheidungen ab, die du noch gar nicht getroffen hast. Fliesen für 25 Euro oder für 80 Euro je Quadratmeter, Standardfenster oder Dreifachverglasung mit Sonderformat — jede dieser Entscheidungen bewegt das Ergebnis.

Schritt zwei: Baunebenkosten und Puffer

Auf die Gewerke kommen Kosten, an die im ersten Anlauf niemand denkt: Planung, Statik, Energieberatung, Bauantrag, Gerüst, Container, Baustrom und die Zwischenmiete, wenn du während der Arbeiten nicht einziehen kannst. Zehn bis fünfzehn Prozent der Bausumme sind dafür ein realistischer Ansatz.

Der Puffer obendrauf ist keine Vorsicht, sondern Erfahrung. Fünfzehn Prozent auf die Gesamtsumme decken die typischen Nachträge ab: Asbest in der Bodenplatte, ein morscher Dachstuhl, eine Wand, die nach dem Abschlagen des Putzes neu aufgemauert werden muss.

Die Rechnung, die niemand gern macht

Jetzt der ehrliche Teil. Nimm den Mittelwert der Gewerkespanne, addiere Nebenkosten und Puffer, und lege alles auf den Kaufpreis.

PositionBetrag
Kaufpreis unsaniertes Haus250.000 €
Kaufnebenkosten 8,5 %21.250 €
Gewerke (Mittelwert)180.700 €
Baunebenkosten 12 %21.684 €
Puffer 15 %30.358 €
Gesamt503.992 €
Vergleich: Median-Kaufpreis Eigenheim am Markt455.000 €

Eigene Beispielrechnung. Median-Kaufpreis Eigenheim nach Wohnungsmarktbarometer der Stadt Bochum, Beobachtungszeitraum 1.7.2024–30.6.2025. Kaufnebenkosten NRW ohne Maklerprovision.

Das günstige Haus kostet nach der Vollsanierung rund 49.000 Euro mehr als ein Objekt, das du fertig kaufen könntest. Genau deshalb sanieren die meisten Käufer nicht alles auf einmal. Das ist völlig legitim — es verlagert die Kosten nur in die Zukunft, statt sie zu senken.

Gut zu wissenDer Rechenweg gilt für die Vollsanierung. Wer selbst mitarbeitet, in Etappen saniert oder auf die Fassadendämmung verzichtet, landet niedriger. Wer währenddessen zur Miete wohnt, landet höher.

Reihenfolge: was zuerst, was kann warten

Wenn du nicht alles auf einmal machen kannst, entscheidet die Reihenfolge über Kosten und Nerven. Zuerst kommt immer, was das Gebäude schützt: Dach, Entwässerung, Abdichtung im Keller. Danach das, was Folgearbeiten auslöst — Leitungen und Elektrik, weil dafür Wände geöffnet werden. Erst danach Fenster und Dämmung, zuletzt Oberflächen und Bäder.

Wer diese Reihenfolge umdreht, zahlt zweimal: Wer zuerst den neuen Parkettboden legt und ein Jahr später die Elektrik erneuern lässt, reißt den Boden wieder auf. Einen sinnvollen Fahrplan liefert ein individueller Sanierungsfahrplan, der die Maßnahmen in eine technisch und förderrechtlich sinnvolle Ordnung bringt.

Was das Gesetz von dir verlangt

Nach dem Kauf eines älteren Hauses gelten Fristen: Bestimmte Heizkessel müssen ausgetauscht werden, oberste Geschossdecken gedämmt und Leitungen in unbeheizten Räumen isoliert. Diese Pflichten treffen dich als neuen Eigentümer, meist innerhalb von zwei Jahren nach Eigentumsübergang. Welche das im Einzelnen sind, steht im Beitrag zu den Sanierungspflichten nach dem GEG. Rechne diese Posten immer ein, auch wenn du sonst nichts anfassen willst.

Wie du zu belastbaren Zahlen kommst

Spannen aus dem Internet reichen für die Vorauswahl. Für die Kaufentscheidung brauchst du zwei Dinge: eine fachliche Einschätzung der Substanz und mindestens zwei echte Angebote für die großen Gewerke. Ob sich ein Gutachter lohnt und was er leistet, klärt der Beitrag zum Prüfen der Bausubstanz.

Bei einem Objekt, das uns durch die Hände geht, kommt der Dachdecker oder der Elektriker aus dem eigenen Handwerkernetzwerk oft schon zur zweiten Besichtigung mit. Davon hast du den Vorteil, dass du beim Preisgespräch keine Schätzung nennen musst, sondern eine Zahl mit einem Namen darunter. Welche Objekte in welchem Zustand angeboten werden, siehst du auf der Seite welche Häuser gerade angeboten werden. Wo ein Objekt bereits einen erkennbaren Sanierungsstau hat, gehört der in den Preis und nicht in die Hoffnung.

Alle anderen Fragen vor dem Kauf beantwortet der Käufer-Ratgeber für Bochum.

Häufige Fragen zu Sanierungskosten

Wie viel Eigenleistung ist realistisch?
Malern, Tapeten entfernen, Böden verlegen und Abbrucharbeiten sind gut selbst machbar und sparen spürbar. Alles, was Statik, Gas, Wasser oder Strom betrifft, gehört in Fachhände — schon weil Versicherung und Gewährleistung sonst nicht greifen. Rechne Eigenleistung außerdem in Wochenenden und nicht in Euro: Zwei Vollzeitberufstätige schaffen deutlich weniger, als sie am Küchentisch planen.
Kann ich Sanierungskosten von der Steuer absetzen?
Bei einer vermieteten Immobilie sind Erhaltungsaufwendungen grundsätzlich abziehbar, größere Maßnahmen kurz nach dem Kauf können aber als anschaffungsnahe Herstellungskosten in die Abschreibung wandern. Bei Selbstnutzung gibt es den Steuerbonus für Handwerkerleistungen und die Förderung energetischer Maßnahmen. Was in deinem Fall greift, klärt dein Steuerberater vor Beginn der Arbeiten, nicht danach.
Wie viel Zeit muss ich einplanen?
Für eine Vollsanierung dieser Größenordnung sind sechs bis zwölf Monate realistisch, wenn Handwerker verfügbar sind und keine Genehmigung nötig ist. Die längsten Wartezeiten entstehen selten auf der Baustelle, sondern bei Terminen und Materiallieferungen. Plane deshalb Puffer in der Zeitschiene ein — und kläre früh, ob du während der Arbeiten woanders wohnen musst.
Was ist der teuerste Fehler beim Kalkulieren?
Die Annahme, dass Teilsanierungen billiger sind als sie sind. Jedes Mal, wenn ein Gerüst gestellt, eine Baustelle eingerichtet und ein Handwerker neu angefahren wird, zahlst du die Rüstkosten erneut. Dach und Fassade zusammen kosten weniger als Dach jetzt und Fassade in fünf Jahren. Bündle deshalb, was am selben Bauteil hängt, selbst wenn du dafür ein Jahr länger sparst.

Kurz zusammengefasst

Kalkuliere Gewerk für Gewerk mit einer Spanne, addiere zehn bis fünfzehn Prozent Baunebenkosten und noch einmal fünfzehn Prozent Puffer. Erst dann vergleichst du die Summe aus Kaufpreis und Sanierung mit dem, was ein fertiges Haus am Markt kostet — sehr oft liegt das günstige Objekt danach höher. Sanierst du in Etappen, halte die Reihenfolge ein: erst Schutz, dann Leitungen, zuletzt Oberflächen. Und hol dir zwei echte Angebote, bevor du ein Gebot abgibst.

Willst du wissen, was dein Wunschobjekt wirklich kostet?

Wir bringen Handwerker zur Besichtigung mit und rechnen die Sanierung in den Kaufpreis ein.

Christian Gottschling im Beratungsgespräch am Fenster, gegenüber ein Gesprächspartner mit Kaffeetasse
Dein Ansprechpartner

Christian Gottschling

Ein kurzes Gespräch bringt dich meist weiter als eine Stunde Lesen. Auskunft kostet nichts, auch wenn daraus kein Auftrag wird.

Geschäftsführer der GOTTSCHLING Immobilien GmbH · Termine bei dir vor Ort in Bochum

Schreib uns

Eine kurze Nachricht genügt. Du hörst innerhalb eines Werktags von uns.

Kontakt Bochum

Lieber telefonisch? 0201 20 20 01 — Auskunft kostet nichts, auch wenn daraus kein Auftrag wird.

Rückruf

Kurzer Draht statt langer Suche

Nummer eintragen, Zeitraum wählen, fertig. Der Rückruf kostet nichts und verpflichtet dich zu nichts.

Es eilt? Dann ruf einfach direkt an: 0201 20 20 01