Lexikon · Mieten und Vermieten

Angebotsmiete

In der Anzeige steht die Angebotsmiete: der Preis, den ein Vermieter für eine gerade frei werdende Wohnung aufruft.

Was das für dich bedeutet

Die Angebotsmiete ist eine Momentaufnahme des Marktes, nicht der Spiegel des Bestands. Sie entsteht aus Inseraten, also aus Wünschen von Vermietern. Ob am Ende genau dieser Betrag im Mietvertrag steht, weiß die Statistik nicht. Trotzdem ist die Zahl wertvoll: Sie zeigt früher als jede andere Größe, wohin sich ein Stadtteil bewegt.

Der Gegenbegriff ist die Bestandsmiete. Das ist die Miete, die laufende Verträge tatsächlich abwerfen. Sie liegt fast immer niedriger, weil Verträge über Jahre laufen und Erhöhungen an enge Grenzen gebunden sind. Zwischen beiden Zahlen liegt oft ein Abstand, der ganze Diskussionen erklärt.

In Bochum liegt die Median-Angebotsmiete bei 8,76 Euro je Quadratmeter nettokalt. Median heißt: Die Hälfte aller Angebote liegt darunter, die andere Hälfte darüber. Ein Durchschnitt wäre anfälliger für einzelne teure Ausreißer.

BegriffWas er misstBochum
Angebotsmieteaufgerufene Miete in Inseraten8,76 €/m²
BestandsmieteMiete in laufenden Verträgenliegt darunter
Ortsübliche VergleichsmieteMaßstab für Mieterhöhungenaus dem Mietspiegel

Quelle: Stadt Bochum, Wohnungsmarktbarometer 2025, Median-Angebotsmiete nettokalt (Beobachtungszeitraum 01.07.2024–30.06.2025). Stand: 09/2026.

Wer die Zahl richtig liest, erkennt auch ihre Schwächen. Inserate bilden nur den Teil des Marktes ab, der öffentlich angeboten wird. Wohnungen, die über Bekannte, über eine Warteliste oder direkt vom Verwalter weitergegeben werden, tauchen nirgends auf. In Vierteln mit viel Nachbarschaftsvermietung liegt die reale Neuvertragsmiete deshalb regelmäßig unter dem, was die Statistik zeigt.

Ein Beispiel aus der Praxis

Du vermietest eine Wohnung mit 70 Quadratmetern. Der Mieter zahlt seit acht Jahren 490 Euro nettokalt, also 7,00 Euro je Quadratmeter. Er kündigt. Beim Median von 8,76 Euro läge die neue Miete bei rund 613 Euro. Das sind 123 Euro mehr im Monat und rund 1.476 Euro mehr im Jahr — bei derselben Wohnung.

Genau dieser Sprung ist der Grund, warum Vermieter Mieterwechsel fürchten und zugleich brauchen. Er ist die einzige Gelegenheit, an der die Miete ohne Zustimmung des Mieters an das Marktniveau herankommt.

Wichtig für Bochum: Die Stadt steht nicht in der Mieterschutzverordnung des Landes. Eine Mietpreisbremse für Neuvermietungen gibt es hier deshalb nicht. Der Preis bei der Neuvermietung richtet sich nach dem Markt — die Grenze der Mietpreisüberhöhung gilt aber weiterhin.

Worauf du achten solltest

Nimm die Zahl nicht als Zielpreis für jede Wohnung. Sie fasst Neubau und Altbau, große und kleine Einheiten, jede Lage zusammen. Ein Einzimmerapartment erzielt je Quadratmeter mehr, eine große Wohnung im unsanierten Bestand weniger.

Vergleiche innerhalb deines Stadtteils und deiner Größenklasse. Zwei Straßen weiter kann der Wert deutlich abweichen, ohne dass sich am Haus etwas ändert.

Denk an die Ausstattung. Ein neues Bad, ein moderner Bodenbelag und eine funktionierende Heizung heben die erzielbare Miete spürbar. Eine Küche, die du stellst, ebenfalls — nur musst du sie später auch ersetzen.

Und überziehe nicht. Eine Wohnung, die drei Monate zu teuer inseriert ist, kostet dich mehr Miete, als die höhere Forderung im Jahr einbringt. Der Markt korrigiert dich langsam, aber sicher.

Für Mieterhöhungen im laufenden Vertrag hilft die Angebotsmiete nicht weiter. Dort zählt allein die ortsübliche Vergleichsmiete, und die steht im qualifizierten Mietspiegel.

Verwandte Begriffe

Weitere Fachbegriffe erklärt das Immobilien-Lexikon von A bis Z.

Wie sich die Zahlen in den einzelnen Stadtteilen unterscheiden, zeigt die Übersicht der Mietpreise in Bochum.

Welche Miete für deine Wohnung am Markt wirklich durchgeht, zeigt dir die Seite Mietwert ermitteln in Bochum.

Kurz zusammengefasst

Die Angebotsmiete zeigt, was Vermieter aufrufen — nicht, was in laufenden Verträgen tatsächlich gezahlt wird. Der Median von 8,76 Euro je Quadratmeter taugt deshalb nicht als Zielpreis für deine Wohnung: Drei Monate zu teuer inseriert kosten dich mehr Miete, als der Aufschlag im Jahr einbringt. Wie weit die Werte zwischen den Stadtteilen auseinandergehen, siehst du in der Übersicht der Mietpreise in Bochum.

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