Bürgschaft
Bei einer Bürgschaft verspricht eine dritte Person dem Vermieter, für die Schulden des Mieters einzuspringen.
Was das für dich bedeutet
Zahlt der Mieter nicht, springt der Bürge ein. Klassisch sind das die Eltern einer Studentin, die noch kein eigenes Einkommen hat. Möglich sind auch Banken oder Versicherer, die gegen eine jährliche Gebühr eine Mietkautionsbürgschaft ausstellen.
Für dich als Vermieter ist das eine Sicherheit, die dich nichts kostet und trotzdem trägt. Für den Mieter ist es der Weg in eine Wohnung, die er sonst nicht bekäme. Bei einer Bankbürgschaft bleibt sein Geld auf dem eigenen Konto, statt drei Monatsmieten lang festzuliegen.
Wichtig ist die Form. Eine Bürgschaft muss schriftlich erteilt und eigenhändig unterschrieben werden. Eine Mail oder ein Handschlag reichen nicht. Sie muss außerdem klar sagen, wofür sie gilt: nur für Mietrückstände oder auch für Schäden an der Wohnung und Nachzahlungen aus der Betriebskostenabrechnung.
Eine Bürgschaft ist keine Kaution. Bei der Kaution liegt echtes Geld auf einem getrennten Konto und du kannst dich daraus bedienen. Bei der Bürgschaft musst du den Bürgen anschreiben, ihm den Rückstand belegen und im Zweifel gegen ihn klagen. Das dauert länger und kostet Nerven.
Beispiel: was eine Bürgschaft wirklich abdeckt
Die Nettokaltmiete beträgt 600 Euro. Der Mieter zahlt vier Monate nicht und hinterlässt beim Auszug einen Schaden am Parkett.
| Posten | Betrag | Von der Bürgschaft gedeckt? |
|---|---|---|
| Mietrückstand über vier Monate | 2.400 € | ja, bis zur Höchstsumme |
| Schaden am Bodenbelag | 900 € | nur bei ausdrücklicher Nennung |
| Nachzahlung Betriebskosten | 380 € | nur bei ausdrücklicher Nennung |
| Höchstbetrag bei drei Nettokaltmieten | 1.800 € | Grenze der verlangten Sicherheit |
Beispielrechnung, gerundet. Die Kautionsgrenze von drei Nettokaltmieten ergibt sich aus § 551 BGB.
Der Rückstand liegt über der Höchstsumme. Der Bürge zahlt 1.800 Euro, den Rest musst du beim Mieter selbst eintreiben. Eine Bürgschaft ersetzt also keine gute Auswahl, sie federt nur den Schaden ab.
Rechne ehrlich: Vier Monate ohne Miete plus Räumung plus Renovierung sprengen jede übliche Sicherheit. Der wirksame Schutz liegt vor dem Vertrag, nicht danach.
Worauf du achten solltest
Als Vermieter darfst du höchstens drei Nettokaltmieten an Sicherheit verlangen. Kaution und verlangte Bürgschaft zusammen dürfen diese Grenze nicht überschreiten. Bietet ein Angehöriger von sich aus zusätzlich eine Bürgschaft an, damit der Mieter die Wohnung überhaupt bekommt, beurteilen Gerichte das im Einzelfall anders. Verlassen solltest du dich darauf nicht.
Achte auf das Wort „selbstschuldnerisch“. Fehlt es, kann der Bürge dich auf den Mieter verweisen, und du musst erst gegen ihn vollstrecken, bevor du an das Geld kommst. Prüfe außerdem, ob die Bürgschaft befristet ist. Läuft sie nach zwei Jahren aus, stehst du im dritten Jahr ohne Sicherheit da.
Nimm die Zahlungsfähigkeit des Bürgen genauso ernst wie die des Mieters. Ein Bürge ohne Einkommen ist nur Papier. Und denk an die Rückgabe: Nach dem Auszug musst du die Bürgschaftsurkunde herausgeben, sobald deine Ansprüche geklärt sind.
Bei einer Bankbürgschaft lohnt der Blick auf den Preis für den Mieter. Übliche Gebühren liegen bei etwa fünf Prozent der Bürgschaftssumme im Jahr. Bei 1.800 Euro sind das rund 90 Euro jährlich, dauerhaft und ohne Ende. Über zehn Jahre ist das mehr als die halbe Kaution.
Verwandte Begriffe
- Bonität – wie du die Zahlungsfähigkeit eines Bewerbers einschätzt.
- Schufa-Auskunft – was sie zeigt und was sie verschweigt.
- Zahlungsverzug – ab wann du kündigen darfst.
- Vermieterpfandrecht – die Sicherheit, die das Gesetz dir zusätzlich gibt.
- Mietvertrag – wo die Sicherheit sauber geregelt wird.
Den Fall mit allen Schritten findest du im Ratgeber Mietbürgschaft richtig vereinbaren. Alle übrigen Begriffe stehen alphabetisch im Lexikon der Immobilienbegriffe.
Die beste Sicherheit bleibt der passende Mieter. Wie eine saubere Auswahl abläuft, von der Selbstauskunft über die Prüfung der Zahlungsfähigkeit bis zum unterschriebenen Vertrag, liest du auf der Seite zum Vermieten deiner Immobilie.
Kurz zusammengefasst
Eine Bürgschaft ist eine Sicherheit ohne Geldfluss: Jemand anderes haftet, wenn dein Mieter nicht zahlt. Zwei Details entscheiden über ihren Wert — fehlt das Wort selbstschuldnerisch, musst du erst gegen den Mieter vollstrecken, und ein Bürge ohne eigenes Einkommen ist nur Papier. Rechne außerdem damit, dass die Grenze von drei Nettokaltmieten vier Monate Ausfall plus Renovierung nicht deckt; wie du von vornherein passende Mieter findest, steht auf der Seite Immobilie vermieten in Bochum.
Steckst du gerade mitten drin?
Begriffe nachschlagen ist das eine. Wenn es konkret wird, hilft ein Gespräch mehr als jede Definition. Zehn Minuten am Telefon klären meist mehr als eine Stunde Lesen.
Auskunft kostet nichts, auch wenn daraus kein Auftrag wird.
Christian Gottschling
Ein kurzes Gespräch bringt dich meist weiter als eine Stunde Lesen. Auskunft kostet nichts, auch wenn daraus kein Auftrag wird.
Geschäftsführer der GOTTSCHLING Immobilien GmbH · Termine bei dir vor Ort in Bochum