Lexikon · Erben

Nachlassgericht

Das Nachlassgericht ist die Abteilung des Amtsgerichts, die sich um alles kümmert, was nach einem Todesfall rechtlich zu regeln ist — vom Testament bis zum Erbschein.

Was das für dich bedeutet

Der Brief vom Nachlassgericht liegt oft schon auf dem Küchentisch, bevor jemand begriffen hat, was zu tun ist. Zuständig ist das Amtsgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen — für Bochumer Erbfälle also das Amtsgericht Bochum. Dorthin gehen alle Erklärungen, und von dort kommen die Papiere, die Bank und Grundbuchamt später sehen wollen.

Das Gericht wird zuerst von selbst tätig. Es eröffnet ein hinterlegtes oder abgeliefertes Testament, informiert die darin genannten Personen und die gesetzlichen Erben. Wer ein Testament zu Hause findet, muss es abliefern — auch dann, wenn er selbst darin nicht bedacht ist.

Danach liegt der Ball bei dir. Willst du das Erbe nicht antreten, musst du innerhalb von sechs Wochen ausschlagen. Die Frist beginnt, sobald du vom Erbfall und deiner Berufung erfährst. Sie ist kurz, und sie läuft weiter, während die Familie noch die Beerdigung organisiert.

Für eine geerbte Immobilie brauchst du meist einen Erbschein. Er weist nach, wer Erbe ist, und ohne ihn schreibt das Grundbuchamt niemanden um. Es gibt eine Ausnahme: Liegt ein notarielles Testament mit Eröffnungsprotokoll vor, genügt das in vielen Fällen — und spart die Gebühr für den Erbschein.

Beispiel: die Aufgaben und ihre Fristen

Diese Vorgänge laufen nach fast jedem Todesfall über das Nachlassgericht:

AufgabeWas dahintersteckt
Testament eröffnenGericht lädt oder informiert schriftlich
Erbschein erteilenAntrag mit eidesstattlicher Versicherung, Gebühr nach Nachlasswert
Ausschlagung entgegennehmenFrist sechs Wochen, notariell oder zur Niederschrift
Nachlasspflegschaft anordnenwenn die Erben unbekannt sind
Testamentsvollstrecker bestellenwenn der Erblasser das angeordnet hat

Quelle: eigene Darstellung nach §§ 1944, 1960, 2353 ff. BGB und dem Gesetz über das Verfahren in Familiensachen. Gebühren richten sich nach dem GNotKG.

Die Kosten für den Erbschein hängen am Wert des Nachlasses. Ein Nachlass mit einem Haus im Wert von 400.000 Euro kostet spürbar mehr als ein Sparbuch. Deshalb lohnt die Frage, ob ein notarielles Testament den Erbschein ersparen kann.

Worauf du achten solltest

Prüfe zuerst, ob der Nachlass überhaupt etwas wert ist. Wer annimmt, haftet für die Schulden des Verstorbenen — im schlimmsten Fall mit dem eigenen Vermögen. Steht ein Haus mit hoher Restschuld im Nachlass, sollte diese Rechnung stehen, bevor die sechs Wochen verstrichen sind.

Rechne mit Wartezeiten. Zwischen Antrag und Erbschein vergehen je nach Auslastung des Gerichts mehrere Wochen bis Monate. Wer die Immobilie verkaufen will, sollte das einplanen: Ohne Umschreibung im Grundbuch oder einen Nachweis der Erbenstellung beurkundet kein Notar den Kaufvertrag.

Sammle die Unterlagen früh: Sterbeurkunde, Personalausweis, Testament, Grundbuchauszug, Kontounterlagen, Darlehensverträge, Versicherungen. Jeder Antrag beim Gericht wird damit schneller, und für den Verkauf einer geerbten Immobilie brauchst du dieselben Papiere ohnehin.

Und hol dir Rat, bevor du unterschreibst. Erbrecht ist eines der Felder, in denen ein Fehler nicht mehr zu korrigieren ist — eine versäumte Ausschlagungsfrist oder eine unbedachte Erklärung wirkt dauerhaft. Ein Notar oder ein Fachanwalt für Erbrecht kostet einen Bruchteil dessen, was ein falscher Schritt kostet.

Verwandte Begriffe

Alle übrigen Begriffe stehen alphabetisch im Lexikon der Immobilienbegriffe.

Steht am Ende der Verkauf des Elternhauses, hängt vieles davon ab, dass Unterlagen und Zuständigkeiten früh geklärt sind. Wie dieser Weg abläuft, steht auf der Seite Erbimmobilie verkaufen in Bochum.

Kurz zusammengefasst

Das Nachlassgericht ist die Abteilung des Amtsgerichts, über die nach einem Todesfall alles Formale läuft: Testament eröffnen, Erbschein erteilen, Ausschlagung entgegennehmen. Die harte Zahl darin sind die sechs Wochen zum Ausschlagen — die Frist läuft weiter, während die Familie noch die Beerdigung organisiert. Prüf deshalb früh, ob im Nachlass mehr Werte oder mehr Nachlassverbindlichkeiten stecken.

Steckst du gerade mitten drin?

Begriffe nachschlagen ist das eine. Wenn es konkret wird, hilft ein Gespräch mehr als jede Definition. Zehn Minuten am Telefon klären meist mehr als eine Stunde Lesen.

Auskunft kostet nichts, auch wenn daraus kein Auftrag wird.

Christian Gottschling im Beratungsgespräch am Fenster, gegenüber ein Gesprächspartner mit Kaffeetasse
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Christian Gottschling

Ein kurzes Gespräch bringt dich meist weiter als eine Stunde Lesen. Auskunft kostet nichts, auch wenn daraus kein Auftrag wird.

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