Finanzierung

Sondertilgung beim Darlehen: wie viel Flexibilität sich lohnt

Fünf Prozent im Jahr sind Standard. Was sie bringen, was mehr kostet und wann die Rate wichtiger ist als die Laufzeit.

Im November kommt das Weihnachtsgeld, und mit ihm die Frage, ob es auf das Tagesgeldkonto gehört oder in den Kredit. Eine Sondertilgung beim Darlehen ist eine außerplanmäßige Zahlung, die direkt und vollständig die Restschuld senkt — sie geht nicht in Zinsen, sondern in die Substanz. Üblich ist ein kostenloses Recht auf fünf Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr; mehr gibt es meist nur gegen einen Zinsaufschlag.

Der Effekt ist größer, als die kleine Zahl vermuten lässt: Jede Sondertilgung spart dir alle Zinsen, die auf diesen Betrag bis zum Laufzeitende noch angefallen wären. Wie viel das ist, zeigt die Rechnung weiter unten.

Was eine Sondertilgung im Darlehen bewirkt

Deine Monatsrate besteht aus Zins und Tilgung. Der Zins wird auf die Restschuld berechnet. Sinkt die Restschuld, sinkt der Zinsanteil — und weil die Rate gleich bleibt, wächst der Tilgungsanteil. Das beschleunigt sich selbst.

Standardmäßig ändert sich deine Rate durch eine Sondertilgung nicht. Es verkürzt sich die Laufzeit. Wer stattdessen eine niedrigere Rate möchte, muss das ausdrücklich verlangen; viele Banken bieten dafür eine begrenzte Zahl kostenloser Ratenanpassungen an.

Wichtig ist der Zeitpunkt. Manche Verträge lassen Sondertilgungen jederzeit zu, andere nur zum Jahresende oder zum Ende einer Zinsperiode. Ungenutzte Rechte verfallen in der Regel und lassen sich nicht ins nächste Jahr mitnehmen.

Was das Recht auf Sondertilgung kostet

Ein Sondertilgungsrecht von fünf Prozent im Jahr gehört bei den meisten Banken zum Standard und kostet nichts. Wer zehn oder zwanzig Prozent vereinbaren will, zahlt dafür meist einen Aufschlag auf den Sollzins in der Größenordnung von 0,05 bis 0,10 Prozentpunkten.

Diese Rechnung lässt sich schnell aufmachen. Bei einem Darlehen über 250.000 Euro kostet ein Aufschlag von 0,05 Prozentpunkten rund 125 Euro im ersten Jahr. Wer das erweiterte Recht nie nutzt, hat 125 Euro im Jahr für nichts gezahlt. Wer es nutzt, spart ein Vielfaches. Die Frage ist also nicht, ob mehr Flexibilität gut ist, sondern ob du sie realistisch einsetzen wirst.

Gut zu wissenFünf Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme sind bei 250.000 Euro genau 12.500 Euro im Jahr. Für die meisten Haushalte ist das mehr, als sie je zusätzlich aufbringen. Das Standardrecht reicht dann völlig.

Die Wirkung in Zahlen

Ein Darlehen über 250.000 Euro, Sollzins 3,7 Prozent, Anfangstilgung 2 Prozent. Die Monatsrate beträgt 1.187,50 Euro. Ohne Sondertilgung läuft das Darlehen knapp 29 Jahre.

Sondertilgung im JahrLaufzeitZinsen insgesamtErsparnis
keinerund 29 Jahrerund 160.800 €—
2.500 € (1 Prozent)rund 22 Jahrerund 120.500 €rund 40.300 €
5.000 € (2 Prozent)rund 18 Jahrerund 97.100 €rund 63.700 €
12.500 € (5 Prozent)rund 12 Jahrerund 62.400 €rund 98.400 €

Beispielrechnung, jährliche Verrechnung, Sondertilgung jeweils zum Jahresende. Zinssatz und Tilgung sind Annahmen und kein Angebot. Banken rechnen monatlich, die Werte weichen dann leicht ab.

5.000 Euro im Jahr — rund 417 Euro im Monat — verkürzen die Laufzeit um elf Jahre und sparen rund 63.700 Euro Zinsen. Das ist der Grund, warum Sondertilgung fast immer stärker wirkt als das Feilschen um ein Zehntelprozent beim Zinssatz.

Sondertilgung oder höhere Tilgung von Anfang an?

Beide Wege führen zur selben Restschuld, unterscheiden sich aber in der Verbindlichkeit. Eine höhere Anfangstilgung erhöht die Rate dauerhaft — du musst sie jeden Monat aufbringen, auch im schlechten Jahr. Eine Sondertilgung darfst du leisten, aber du musst nicht.

Für Haushalte mit schwankendem Einkommen ist die Kombination aus moderater Tilgung und großzügigem Sondertilgungsrecht deshalb der ruhigere Weg. Wer ein sicheres Einkommen hat und den Zwang zur Disziplin schätzt, fährt mit der höheren Tilgung. Wie stark der Tilgungssatz auf die Restschuld wirkt, zeigt der Beitrag zum Annuitätendarlehen.

Wann eine Sondertilgung nicht der erste Griff ist

Es gibt Situationen, in denen anderes Vorrang hat. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Auflistung der Punkte, die in eine Entscheidung gehören.

Ohne Notreserve. Geld, das im Darlehen steckt, holst du nicht zurück. Eine kaputte Heizung wird sonst über den Dispo finanziert, und der kostet ein Vielfaches.

Bei teureren Schulden. Ein Ratenkredit oder ein Autokredit hat meist einen deutlich höheren Zins als die Baufinanzierung.

Bei vermieteten Objekten. Schuldzinsen für eine vermietete Immobilie sind Werbungskosten. Eine Sondertilgung senkt diesen Abzug. Ob das im Einzelfall ins Gewicht fällt, hängt vom Steuersatz und von der Gesamtsituation ab — diese Frage gehört zur Steuerberatung.

Kurz vor dem Ende der Zinsbindung. Läuft die Bindung in einem Jahr aus, kannst du die Restschuld ohnehin frei zurückzahlen. Dann lohnt es sich oft, das Geld bis dahin zu parken. Wie du diesen Übergang planst, steht im Text zur Anschlussfinanzierung.

Welche Variante zu deinem Haushalt passt, klärt eine unabhängige Finanzierungsberatung. Der Überblick zum Immobilienkauf zeigt, an welcher Stelle des Ablaufs diese Frage überhaupt aufkommt.

So meldest du eine Sondertilgung an

  1. Klausel nachlesen

    Höhe, Zeitpunkt und Ankündigungsfrist stehen im Darlehensvertrag. Notiere dir den letzten möglichen Termin im Jahr.

  2. Schriftlich ankündigen

    Viele Banken verlangen eine Ankündigung mit vier bis sechs Wochen Vorlauf. Eine formlose Überweisung wird sonst als normale Rate verbucht.

  3. Verwendung angeben

    Bei mehreren Darlehenstranchen bestimmst du, auf welche gezahlt wird. Sinnvoll ist meist die Tranche mit dem höchsten Zins.

  4. Bestätigung prüfen

    Lass dir den neuen Tilgungsplan schicken und kontrolliere, dass die Restschuld korrekt gesenkt wurde.

Weitere Antworten zu Kauf und Finanzierung findest du im Ratgeber Kaufen und Finanzieren.

Häufige Fragen zur Sondertilgung

Kann die Bank eine Sondertilgung ablehnen?
Nur wenn kein Sondertilgungsrecht vereinbart ist. Steht es im Vertrag, hast du einen Anspruch — allerdings genau in dem Rahmen, den der Vertrag setzt: Höhe, Zeitpunkt und Ankündigungsfrist. Ohne vereinbartes Recht kann die Bank eine vorzeitige Rückzahlung während der Zinsbindung ablehnen oder eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Prüfe die Klausel deshalb vor der Unterschrift, nicht erst beim ersten Bonus.
Verfällt ein nicht genutztes Sondertilgungsrecht?
In aller Regel ja. Das Recht gilt pro Kalenderjahr und lässt sich nicht ansparen. Wer in zwei Jahren nichts zahlt, darf im dritten Jahr nicht das Dreifache leisten. Manche Verträge enthalten abweichende Regelungen, etwa eine Ansparmöglichkeit oder ein einmaliges höheres Recht. Lies die Klausel und notiere dir den letzten möglichen Termin im Jahr.
Senkt eine Sondertilgung meine Monatsrate?
Standardmäßig nicht. Die Rate bleibt gleich, die Laufzeit wird kürzer, weil der Tilgungsanteil steigt. Wenn du stattdessen eine niedrigere Rate willst, musst du eine Ratenanpassung beantragen. Viele Verträge erlauben ein bis drei kostenlose Anpassungen während der Zinsbindung. Für Haushalte, deren Einkommen dauerhaft sinkt, ist das der wichtigere Hebel als die Sondertilgung selbst.
Wie hoch sollte das Sondertilgungsrecht vereinbart sein?
Das hängt davon ab, wie viel du realistisch aufbringen kannst. Fünf Prozent der Darlehenssumme sind bei den meisten Verträgen kostenlos und für die meisten Haushalte mehr als ausreichend. Ein erweitertes Recht kostet einen Zinsaufschlag und lohnt sich nur, wenn regelmäßige Sonderzahlungen absehbar sind, etwa durch Boni, eine erwartete Erbschaft oder auslaufende Verträge. Rechne den Aufschlag gegen den erwarteten Nutzen.

Kurz zusammengefasst

Eine Sondertilgung senkt die Restschuld unmittelbar und spart alle Zinsen, die auf diesen Betrag noch angefallen wären. Im Beispiel verkürzen 5.000 Euro im Jahr die Laufzeit von 29 auf 18 Jahre und sparen rund 63.700 Euro.

Fünf Prozent im Jahr sind meist kostenlos und reichen den meisten Haushalten. Mehr Flexibilität kostet einen Zinsaufschlag und lohnt sich nur, wenn du sie wirklich nutzt. Und bevor du sondertilgst: erst die Notreserve, dann die teureren Kredite, dann die Baufinanzierung.

Erst das Objekt, dann die Rate

Wie viel Spielraum du für Sondertilgungen hast, entscheidet sich beim Kaufpreis — und beim Sanierungsbedarf, den du vorher kennst.

Christian Gottschling sitzt in blauem Sakko auf einer Treppe und blickt in die Kamera
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