Immobilienportale im Vergleich: wo solltest du inserieren?
Reichweite ist nicht alles. Entscheidend ist, welche Käufer ein Portal in dein Postfach spült.
Zwei Wochen inseriert, 340 Aufrufe, elf Anfragen, davon zehn von Maklern und eine von jemandem, der „mal schauen“ wollte. Kennst du das? Ein Vergleich der Immobilienportale beginnt deshalb nicht bei der Reichweite, sondern beim Objekt. Auf welchem Portal du inserieren solltest, hängt vor allem von der Objektart ab. Für Eigentumswohnungen und Häuser im mittleren Preissegment ist die große allgemeine Plattform der Standard. Für günstige Objekte und Erstkäufer lohnt eine Kleinanzeigenplattform zusätzlich. Für Anlageobjekte und hochpreisige Häuser bringen Portale allein oft gar nichts. Die richtige Antwort ist deshalb selten „eins“, sondern „zwei, plus eine Datenbank“.
Hier steht, welcher Kanal welche Menschen erreicht, was die Sichtbarkeit tatsächlich kostet und ab welchem Punkt die Rechnung kippt.
Immobilienportale im Vergleich: die vier Kanaltypen
Die große Suchplattform
Der Standardweg. Wer aktiv sucht, sucht dort. Der Vorteil ist die schiere Menge an Suchprofilen, die bei einem neuen Inserat sofort benachrichtigt werden. Der Nachteil: Dein Objekt steht neben allen anderen, und die Filterlogik der Plattform entscheidet mit, wer es sieht. Wer hier zu teuer startet, verschwindet nach wenigen Tagen aus den Suchergebnissen der relevanten Preisklasse.
Die zweite Plattform
Sie erreicht eine teils andere Nutzergruppe, häufig etwas älter und regional stärker verwurzelt. Für Häuser in ruhigen Wohnlagen und für Käufer, die aus der direkten Umgebung kommen, lohnt sie sich als Ergänzung. Als alleiniger Kanal reicht sie selten.
Kleinanzeigenplattformen
Hohe Reichweite, niedrige Einstiegshürde, sehr gemischte Qualität der Anfragen. Für günstige Wohnungen und für Objekte mit Sanierungsbedarf funktioniert das gut, weil dort Käufer suchen, die selbst anpacken wollen. Rechne mit deutlich mehr Anfragen und deutlich weniger ernsthaften darunter. Ohne Vorabprüfung wird das schnell zur Terminfalle.
Die eigene Interessentendatenbank
Der unterschätzte Kanal. Käufer, die bereits eine Finanzierungszusage haben und mit einem konkreten Suchprofil vorgemerkt sind, erfahren von einem Objekt, bevor es öffentlich wird. Für dich hat das zwei Vorteile: Du sparst dir die anonymen Anfragen, und dein Objekt verbrennt keine Marktzeit. Wann sich ein Verkauf ganz ohne Inserat lohnt, steht unter Diskreter Verkauf ohne Inserat.
| Kanal | Erreicht vor allem | Passt zu | Qualität der Anfragen |
|---|---|---|---|
| Große Suchplattform | aktive Sucher mit Suchprofil | Wohnungen, Häuser im mittleren Segment | mittel bis hoch |
| Zweite Plattform | regionale, oft ältere Nutzer | Häuser in Wohnlagen | mittel |
| Kleinanzeigen | Preisbewusste, Selbermacher | günstige und sanierungsbedürftige Objekte | niedrig, hohe Menge |
| Interessentendatenbank | vorgemerkte, geprüfte Käufer | alle Objektarten, besonders diskrete Verkäufe | hoch |
Einordnung aus der eigenen Vermarktungspraxis. Portalgebühren ändern sich laufend und werden hier bewusst nicht als feste Beträge genannt. Stand: 09/2026.
Rechenbeispiel: selbst inserieren gegen Vermarktung abgeben
Ein Reihenhaus, Angebotspreis 390.000 Euro. Auf der einen Seite die Kosten, die beim Selbstinserieren anfallen, auf der anderen die Provision. Beim Verkauf an einen Verbraucher wird die Provision hälftig geteilt, es bleiben also 3,57 Prozent inklusive Mehrwertsteuer auf deiner Seite.
| Position | Selbst inserieren | Vermarktung abgeben |
|---|---|---|
| Inserate auf zwei Portalen, drei Monate | 300 bis 700 € | 0 € |
| Fotograf und Grundrisse | 450 bis 700 € | 0 € |
| Energieausweis | 200 bis 700 € | 0 € |
| Unterlagen und Auszüge | 100 bis 250 € | 0 € |
| Provisionsanteil Verkäufer, 3,57 % | 0 € | 13.923 € |
| Summe | 1.050 bis 2.350 € | 13.923 € |
| Eigener Zeitaufwand | 60 bis 120 Stunden | wenige Stunden |
Beispielrechnung. Provisionssatz: 7,14 % inklusive Mehrwertsteuer, hälftig geteilt nach Paragraf 656c BGB, also 3,57 % je Seite. Portal- und Dienstleisterpreise sind Marktpreise aus der Praxis. Ausgangswert: Median-Angebotspreis Reihenhaus 390.000 €, Stadt Bochum, Wohnungsmarktbarometer, Beobachtungszeitraum bis 30.6.2025.
Auf dem Papier ist der Eigenverkauf klar günstiger. Die Rechnung stimmt aber nur, wenn du denselben Preis erzielst. Bereits drei Prozent Preisunterschied entsprechen bei diesem Objekt 11.700 Euro und fressen den Vorteil fast vollständig auf. Die typischen Stolperstellen stehen unter Privatverkauf: die sieben teuersten Fehler, die Provisionsregeln unter Maklerprovision beim Verkauf.
Wie lange ein Inserat wirkt
Portale belohnen Neuheit. Ein frisches Inserat wird an alle passenden Suchprofile ausgespielt und steht in den Ergebnislisten weit oben. Dieser Effekt hält wenige Tage, danach rutscht das Objekt nach hinten und wird nur noch von Menschen gefunden, die aktiv scrollen.
Daraus folgen zwei praktische Konsequenzen. Erstens: Die ersten zehn Tage sind der wertvollste Zeitraum deiner gesamten Vermarktung. Wenn Fotos, Grundriss und Preis in dieser Zeit nicht stimmen, verschenkst du sie. Zweitens: Eine spätere Preisreduzierung holt diese Aufmerksamkeit nicht zurück. Sie erzeugt zwar eine kurze zweite Welle, gleichzeitig sehen aber alle Beobachter, dass der Preis nachgegeben hat, und rechnen mit weiterem Spielraum. Wie du aus dieser Lage wieder herauskommst, steht unter Immobilie zu teuer angeboten.
Worauf du bei jedem Inserat achten musst
Unabhängig vom Kanal gelten drei Pflichten und eine Regel.
- Pflichtangaben zum Energieausweis. Ausweisart, Endenergiebedarf oder -verbrauch, wesentlicher Energieträger der Heizung, Baujahr und Energieeffizienzklasse gehören in jede gewerbliche Anzeige. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 10.000 Euro. Details unter Energieausweis beim Verkauf.
- Korrekte Wohnfläche. Eine zu hoch angegebene Fläche ist einer der häufigsten Gründe für Nachverhandlungen und Rücktritte. Die Fallstricke stehen unter Wohnfläche richtig berechnen.
- Keine Angaben ins Blaue. „Dach neu“ ohne Jahr und Rechnung ist eine Zusicherung, die dir später vorgehalten wird.
- Eine Regel: Ein Objekt wird nur einmal neu. Starte erst, wenn Fotos, Unterlagen und Preis stehen. Ein Inserat, das nach zwei Wochen wieder verschwindet und später neu erscheint, fällt Suchenden auf.
Wenn du die Vermarktung abgibst, laufen alle Kanäle parallel und der Aufwand liegt nicht bei dir. Wie der gesamte Ablauf aussieht, steht unter Immobilie verkaufen.
Was vorher und nachher zu tun ist, steht gesammelt im Ratgeber zum Immobilienverkauf.
Häufige Fragen zu Immobilienportalen
Reicht ein Portal, oder brauche ich mehrere?
Sind Premium-Platzierungen ihr Geld wert?
Wie erkenne ich unseriöse Anfragen?
Sollte ich den Preis im Inserat weglassen?
Kurz zusammengefasst
Die große Suchplattform ist der Standard, eine zweite Plattform die sinnvolle Ergänzung, Kleinanzeigen der Kanal für günstige und sanierungsbedürftige Objekte. Der stärkste Kanal ist aber eine gepflegte Interessentendatenbank, weil dort geprüfte Käufer warten.
Selbst inserieren kostet je nach Umfang 950 bis 2.150 Euro plus 60 bis 120 Stunden Zeit. Der Provisionsanteil des Verkäufers liegt bei 3,57 Prozent, bei einem Reihenhaus für 390.000 Euro also bei 13.923 Euro. Schon drei Prozent Preisunterschied heben diesen Vorteil auf.
Egal welcher Kanal: Pflichtangaben zum Energieausweis, korrekte Wohnfläche und keine Zusagen ohne Beleg. Und starte erst, wenn Fotos, Unterlagen und Preis fertig sind. Ein Objekt wird nur einmal neu.
Wo gehört deine Immobilie hin?
Wir sagen dir, welche Kanäle zu deinem Objekt passen und welche Käufer bereits vorgemerkt sind.
Christian Gottschling
Der häufigste teure Fehler beim Verkauf ist ein zu hoher Startpreis. Über den reden wir am besten, bevor die Immobilie online geht.
Geschäftsführer der GOTTSCHLING Immobilien GmbH · Termine bei dir vor Ort in BochumLieber telefonisch? 0201 20 20 01 — Auskunft kostet nichts, auch wenn daraus kein Auftrag wird.