Lexikon · Mietrecht

Räumungsfrist

Die Räumungsfrist ist die Zeit, die ein Gericht einem Mieter nach einem Räumungsurteil noch zugesteht, bevor die Wohnung tatsächlich geräumt wird.

Ein Räumungsurteil bedeutet nicht, dass am nächsten Morgen der Gerichtsvollzieher klingelt. Das Gericht kann dem Mieter eine Räumungsfrist einräumen — eine Schonzeit, um eine neue Wohnung zu finden. Geregelt ist das in § 721 der Zivilprozessordnung.

Die Frist beträgt höchstens ein Jahr, gerechnet ab dem Tag, an dem das Urteil rechtskräftig wird. In der Praxis liegen die Fristen meist zwischen zwei und sechs Monaten, je nach Härte des Einzelfalls.

Was das für dich bedeutet

Vermietest du, verlängert die Räumungsfrist deinen Ausfall. Miete bekommst du in dieser Zeit nicht mehr — stattdessen schuldet der ehemalige Mieter eine Nutzungsentschädigung, die aber oft genauso schwer einzutreiben ist wie die Miete vorher.

Bist du Mieter, ist die Frist deine wichtigste Atempause. Du musst sie beantragen, und zwar rechtzeitig im laufenden Verfahren. Wer erst nach dem Urteil aufwacht, hat einen deutlich schwereren Stand.

Das Gericht wägt dabei ab. Auf der einen Seite steht die Lage des Mieters: kleine Kinder, Krankheit, erfolglose Wohnungssuche trotz nachweisbarer Bemühungen. Auf der anderen Seite steht dein Interesse als Eigentümer, etwa weil du selbst einziehen willst oder der Mietausfall dich in Schwierigkeiten bringt. Je besser beide Seiten belegen, desto kürzer fällt die Diskussion aus.

Ein Räumungsvergleich funktioniert ähnlich: Dort wird das Auszugsdatum einvernehmlich festgelegt, und das Gericht kann die Frist später noch verlängern.

Beispiel: wie stark eine Räumungsfrist den Auszug verschiebt

Schritttypische Dauer
Kündigung bis Räumungsklage1–2 Monate
Klage bis Urteil4–9 Monate
gewährte Räumungsfrist2–6 Monate
Urteil bis Zwangsräumung1–3 Monate
Summe8–20 Monate

Erfahrungswerte aus der Verwaltungspraxis, keine amtliche Statistik. Rechtsgrundlage der Frist: §§ 721 und 794a ZPO, Höchstdauer ein Jahr.

Rechne mit Mietausfall über die gesamte Strecke plus Anwalts-, Gerichts- und Gerichtsvollzieherkosten. Deshalb ist die sorgfältige Auswahl des Mieters am Anfang billiger als jeder Prozess am Ende.

Worauf du achten solltest

Bei einer fristlosen Kündigung wegen Zahlungsverzugs gilt eine Besonderheit: Zahlt der Mieter die Rückstände innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung der Klage vollständig nach, wird die fristlose Kündigung unwirksam. Deshalb wird meist zusätzlich ordentlich gekündigt.

Neben der Räumungsfrist gibt es den Vollstreckungsschutz nach § 765a ZPO. Er greift nur in echten Härtefällen, etwa bei schwerer Krankheit, und kann die Räumung noch einmal verschieben.

Zwischen November und Februar räumen Gerichtsvollzieher zwar auch, aber Termine werden knapper. Plane den zeitlichen Puffer realistisch ein.

Gut zu wissenWird eine Räumungsfrist gewährt, läuft der Mietvertrag deshalb nicht weiter. Der frühere Mieter darf die Wohnung nur noch nutzen, schuldet dafür Nutzungsentschädigung in Höhe der ortsüblichen Miete und hat keinen Anspruch mehr auf Modernisierung oder Instandsetzung nach Wunsch.

Räumungsverfahren gehören in die Hand eines Anwalts für Mietrecht. Formfehler bei der Kündigung kosten am Ende mehr Zeit als die gesamte Frist.

Verwandte Begriffe

Was danach passiert, beschreibt die Zwangsräumung. Auslöser ist häufig Zahlungsverzug. Die schnellste Vertragsbeendigung ist die außerordentliche Kündigung. Für die Zeit nach dem Vertragsende gilt die Nutzungsentschädigung, und die Gegenseite stützt sich auf den Kündigungsschutz.

Wie das in der Praxis abläuft, erklärt der Ratgeber Ablauf einer Räumungsklage. Weitere Fachbegriffe erklärt das Immobilien-Lexikon von A bis Z.

Kurz zusammengefasst

Die Räumungsfrist schiebt den Auszug nach einem Urteil um bis zu einem Jahr hinaus, üblich sind einige Monate. Für Vermieter bedeutet das weiteren Ausfall, für Mieter Zeit zum Suchen. Beantragt werden muss sie im Verfahren, nicht danach. Wer solche Fälle gar nicht erst erleben will, findet in der laufenden Mietverwaltung den Teil der Arbeit, der lange vor dem Gericht beginnt: Auswahl, Bonität und schnelle Reaktion beim ersten ausgefallenen Monat.

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