Lexikon

Bereitstellungszinsen

Bereitstellungszinsen sind die Gebühr dafür, dass deine Bank Geld für dich bereithält, das du noch nicht abgerufen hast.

Das Darlehen ist bewilligt, unterschrieben ist alles, abgerufen hast du noch keinen Cent — und trotzdem läuft eine Gebühr mit. Bereitstellungszinsen sind der Preis dafür, dass die Bank die Summe für dich reserviert und selbst nicht anderweitig verleihen kann.

Berechnet werden sie auf den Teil des Darlehens, der noch nicht ausgezahlt ist. Üblich sind 0,25 Prozent im Monat, also drei Prozent im Jahr. Das ist mehr als der Sollzins vieler Immobiliendarlehen und deshalb ein Posten, den kaum jemand freiwillig zahlt.

Was das für dich bedeutet

Vorher gibt es eine Schonfrist, die bereitstellungszinsfreie Zeit. Sie steht im Darlehensvertrag und liegt je nach Bank zwischen drei und zwölf Monaten. Erst danach beginnt die Uhr. Für einen normalen Kauf einer bestehenden Immobilie reicht das fast immer, weil zwischen Beurkundung und Kaufpreiszahlung selten mehr als acht Wochen liegen.

Eng wird es in drei Situationen. Beim Neubau, wo Raten über viele Monate abgerufen werden. Bei einer Sanierung, deren Handwerkertermine sich verschieben. Und beim Kauf vom Bauträger, wo der Ratenplan sich über ein bis zwei Jahre zieht.

Für dich als Käufer heißt das: Die bereitstellungszinsfreie Zeit ist ein echtes Vergleichskriterium. Zwei Angebote mit gleichem Zins sind nicht gleich viel wert, wenn eines drei und das andere zwölf Monate freie Zeit gewährt.

Vermeiden lassen sie sich mit drei Stellschrauben: einer längeren freien Zeit, einem realistischen Abrufplan und der Möglichkeit, Eigenkapital zuerst einzusetzen. Alle drei verhandelst du am besten vor der Unterschrift, nicht wenn die Rechnung kommt.

Beispiel: was Bereitstellungszinsen wirklich kosten

Ein Darlehen über 300.000 Euro wird für einen Neubau in Raten abgerufen. Die freie Zeit beträgt sechs Monate, danach fallen 0,25 Prozent im Monat auf den offenen Rest an.

Monat nach Ablauf der freien ZeitNoch nicht abgerufenKosten im Monat
Monat 1180.000 €450 €
Monat 2150.000 €375 €
Monat 3120.000 €300 €
Monat 460.000 €150 €
Summe—1.275 €

Beispielrechnung, gerundet. Darlehenshöhe, Abrufplan und die freie Zeit sind frei gewählte Annahmen. Der Satz von 0,25 Prozent je Monat ist ein weit verbreiteter Wert, aber kein gesetzlicher; maßgeblich ist dein Darlehensvertrag.

1.275 Euro für Geld, das nur bereitliegt. Verschiebt sich der Bau um ein weiteres halbes Jahr, wird daraus schnell das Doppelte — und dieser Betrag taucht in keiner Kaufnebenkostenrechnung auf.

Worauf du achten solltest

Verhandle die freie Zeit, bevor du unterschreibst. Sie ist bei vielen Banken beweglicher als der Zinssatz, gerade wenn du einen langen Bauzeitraum plausibel machen kannst. Ein Angebot mit zwölf statt sechs freien Monaten kann unterm Strich günstiger sein als eines mit minimal besserem Zins.

Rufe außerdem in der richtigen Reihenfolge ab. Wer erst Eigenkapital einsetzt und das Darlehen später abruft, spart die Gebühr — verliert aber unter Umständen Zinsvorteile. Rechne beides durch, statt es dem Zufall zu überlassen.

Und prüfe die Bemessung. Manche Verträge berechnen die Gebühr taggenau, andere für angefangene Monate. Bei einem Abruf am Monatsanfang ist das ein spürbarer Unterschied. Kläre außerdem, ob nachträgliche Anpassungen des Abrufplans möglich sind — das kostet meist nichts und rettet dich, wenn der Estrichleger ausfällt.

Ein Detail wird oft übersehen: Bereitstellungszinsen sind steuerlich anders zu behandeln als der laufende Sollzins. Bei einer vermieteten Immobilie können sie zu den Werbungskosten zählen, bei einem selbst genutzten Haus nicht. Die Einordnung im Einzelfall gehört zum Steuerberater.

Verwandte Begriffe

Einen anderen Begriff findest du im Immobilien-Lexikon für Bochum.

Wer den Zeitplan seiner Finanzierung im Griff hat, spart Geld, das sonst leise abfließt. Welche Schritte zwischen Zusage und Schlüsselübergabe liegen, zeigt die Seite zum Immobilienkauf.

Kurz zusammengefasst

Bereitstellungszinsen zahlst du für Geld, das nur bereitliegt — üblich sind 0,25 Prozent im Monat auf den nicht abgerufenen Teil. Der Posten taucht in keiner Nebenkostenrechnung auf und wächst still: Verzögert sich ein Neubau um ein halbes Jahr, verdoppelt sich der Betrag schnell auf mehrere tausend Euro. Verhandle die freie Zeit vor der Unterschrift, sie ist oft beweglicher als der Zinssatz; welche Schritte zwischen Zusage und Schlüsselübergabe liegen, zeigt die Seite Immobilie kaufen in Bochum.

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Auskunft kostet nichts, auch wenn daraus kein Auftrag wird.

Christian Gottschling im Beratungsgespräch am Fenster, gegenüber ein Gesprächspartner mit Kaffeetasse
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