Mieterhöhungsverlangen
Will ein Vermieter mehr Miete, muss er den Mieter schriftlich um Zustimmung bitten — bis höchstens zu dem Betrag, der in der Umgebung für vergleichbare Wohnungen üblich ist.
Was das für dich bedeutet
Eine Mieterhöhung ist keine Ansage, sondern eine Bitte um Zustimmung. Der Vermieter kann die Miete nicht einfach anheben, er muss sie begründen, und der Mieter muss zustimmen. Verweigert er die Zustimmung, bleibt nur der Weg zum Gericht. Deshalb entscheidet die Sorgfalt im Schreiben darüber, ob am Ende mehr Geld auf dem Konto ankommt.
Die Obergrenze ist die ortsübliche Vergleichsmiete. Das ist kein Wunschwert, sondern das Niveau, das in der Gemeinde für Wohnungen ähnlicher Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage gezahlt wird. Mehr als dieses Niveau lässt sich auf diesem Weg nicht durchsetzen, auch wenn der Markt mehr hergäbe.
Dazu kommen zwei Bremsen. Die Miete muss vor der Erhöhung fünfzehn Monate unverändert gewesen sein. Und innerhalb von drei Jahren darf sie nur um einen bestimmten Prozentsatz steigen — das ist die Kappungsgrenze. In Bochum liegt sie bei 20 Prozent, weil die Stadt nicht in der Mieterschutzverordnung des Landes steht. In geschützten Kommunen sind es nur 15 Prozent.
Begründen lässt sich die Erhöhung auf vier Wegen: mit dem Mietspiegel, mit einem Sachverständigengutachten, mit einer Mietdatenbank oder mit drei vergleichbaren Wohnungen. In Bochum ist der erste Weg der einfachste, weil die Stadt einen qualifizierten Mietspiegel führt. Der weist seit der letzten Fassung übrigens keine Wohnlagen mehr aus — die Einordnung läuft also über Baualter, Größe und Ausstattung.
Beispiel: eine Erhöhung Schritt für Schritt
Eine Wohnung mit 70 Quadratmetern kostet 560 Euro nettokalt, also 8,00 Euro je Quadratmeter. Der Mietspiegel weist für diesen Wohnungstyp 8,80 Euro aus.
| Punkt | Wert im Beispiel |
|---|---|
| Bisherige Miete | 560 € (8,00 €/m²) |
| Ortsübliche Vergleichsmiete laut Mietspiegel | 616 € (8,80 €/m²) |
| Kappungsgrenze in drei Jahren | 20 %, also höchstens 672 € |
| Mögliche neue Miete | 616 € — die Vergleichsmiete begrenzt zuerst |
| Wartezeit seit letzter Änderung | mindestens 15 Monate |
| Zustimmungsfrist des Mieters | bis zum Ende des zweiten Monats nach Zugang |
Quelle: §§ 558 ff. BGB; Kappungsgrenze nach Mieterschutzverordnung NRW, Bochum ist nicht erfasst; qualifizierter Mietspiegel der Stadt Bochum, gültig ab 1.4.2025 für längstens zwei Jahre bis 31.3.2027. Beispielwerte.
Stimmt der Mieter zu, gilt die neue Miete ab dem dritten Monat nach Zugang des Schreibens. Stimmt er nicht zu, hat der Vermieter drei weitere Monate Zeit, auf Zustimmung zu klagen.
Worauf du achten solltest
Formfehler kosten Monate. Das Schreiben braucht Textform, muss alle Mieter ansprechen, die im Vertrag stehen, und die Begründung konkret benennen. Ein Verweis auf „den Mietspiegel“ ohne Angabe des passenden Feldes reicht nicht. Wer unsicher ist, lässt den Entwurf einmal von einem Anwalt oder vom Haus- und Grundverein prüfen — das ist günstiger als eine verlorene Klage.
Rechne außerdem gegen, was eine Erhöhung wirklich bringt. Vierzig Euro mehr im Monat sind 480 Euro im Jahr. Zieht der langjährige Mieter deshalb aus, kostet der Wechsel mit Leerstand, Renovierung und Inseraten oft mehr. Bei Mietern, die pünktlich zahlen und die Wohnung pflegen, ist eine moderate Anpassung meist klüger als das Ausreizen der Grenze.
Und trenne die Wege sauber: Eine Erhöhung nach Modernisierung folgt anderen Regeln als die Anpassung an die ortsübliche Miete. Beides in einem Schreiben zu vermischen, macht es angreifbar.
Verwandte Begriffe
- Ortsübliche Vergleichsmiete — die Obergrenze dieser Erhöhung.
- Kappungsgrenze — der Deckel für drei Jahre.
- Qualifizierter Mietspiegel — das wichtigste Begründungsmittel.
- Modernisierung — der zweite, getrennte Weg zu einer höheren Miete.
- Zustimmungsklage — was passiert, wenn der Mieter nicht unterschreibt.
Ausführlicher geht es im Ratgeber Mieterhöhung auf die Vergleichsmiete weiter. Einen anderen Begriff findest du im Immobilien-Lexikon für Bochum.
Wer seine Mieten regelmäßig und korrekt anpasst, muss nie in großen Sprüngen erhöhen — und behält gute Mieter. Wie das im laufenden Bestand organisiert wird, steht auf der Seite Mietverwaltung in Bochum.
Kurz zusammengefasst
Eine Mieterhöhung ist ein Antrag, keine Ansage: Ohne die Zustimmung des Mieters oder ein Urteil bleibt die alte Miete stehen. Gescheitert wird fast immer an der Begründung — fehlt die saubere Herleitung aus dem Mietspiegel, ist das Schreiben angreifbar und die fünfzehn Monate Wartezeit sind umsonst verstrichen. Prüf deshalb zuerst, wo die ortsübliche Vergleichsmiete für deine Wohnung wirklich liegt.
Steckst du gerade mitten drin?
Begriffe nachschlagen ist das eine. Wenn es konkret wird, hilft ein Gespräch mehr als jede Definition. Zehn Minuten am Telefon klären meist mehr als eine Stunde Lesen.
Auskunft kostet nichts, auch wenn daraus kein Auftrag wird.
Christian Gottschling
Beim Vermieten entscheidet die Auswahl des Mieters über dein Ergebnis. Ruf einfach an, wenn du wissen willst, was deine Wohnung bringt und wie die Prüfung abläuft.
Geschäftsführer der GOTTSCHLING Immobilien GmbH · Termine bei dir vor Ort in Bochum