Vermieten an mehrere Personen

Mietvertrag für WG und mehrere Mieter: was Vermieter regeln müssen

Drei Namen im Vertrag oder drei Verträge – die Entscheidung fällst du einmal und lebst danach jahrelang damit.

Drei junge Leute stehen bei der Besichtigung vor dir und wollen die Vierzimmerwohnung zusammen nehmen. Für dich ist die wichtigste Entscheidung nicht der Preis, sondern die Vertragsform: Ein gemeinsamer Mietvertrag mit allen drei Namen macht jeden für die gesamte Miete haftbar und ist damit die sicherste Variante für dich. Einzelverträge je Zimmer sind bequemer für die Bewohner, verlagern aber das Leerstandsrisiko auf dich.

Dazwischen liegt noch ein dritter Weg: ein Hauptmieter, der die anderen untervermietet. Alle drei Modelle funktionieren – aber nur eines passt zu deinem Objekt. Hier steht, welches.

Modell 1: ein Vertrag, alle Namen, gemeinsame Haftung

Alle Bewohner unterschreiben denselben Vertrag und sind Gesamtschuldner. Übersetzt heißt das: Du darfst die volle Miete von jedem Einzelnen verlangen. Zahlt einer nicht, holst du dir den Betrag bei den anderen. Wie die drei das untereinander regeln, ist nicht dein Problem.

Das ist der Grund, warum dieses Modell die Standardvariante für Wohngemeinschaften ist. Ein Mietkonto, eine Abrechnung, eine Kaution – die übrigens auch bei drei Mietern höchstens drei Nettokaltmieten betragen darf, nicht drei pro Kopf.

Der Haken: Auszug einer einzelnen Person

Kündigen kann nur die gesamte Mietergruppe gemeinsam. Zieht einer aus, bleibt er im Vertrag und haftet weiter, bis alle drei einer Vertragsänderung zustimmen – du eingeschlossen. Genau da entsteht Streit, meistens im Semesterwechsel.

Die Lösung ist eine Wechselklausel im Vertrag. Sie regelt, dass einzelne Mieter durch einen Nachtrag ausscheiden und neue eintreten können, wenn du zustimmst und die Zustimmung nur aus wichtigem Grund verweigert wird. Damit hast du die Kontrolle über die Bonität, und die Bewohner haben ihre Flexibilität. Ohne diese Klausel wird jeder Wechsel zu einer Einzelverhandlung.

Modell 2: ein Vertrag je Zimmer

Du vermietest jedes Zimmer einzeln und räumst die Mitbenutzung von Küche, Bad und Flur ein. Jeder Bewohner hat seinen eigenen Vertrag, seine eigene Kaution, seine eigene Kündigungsfrist. Die Bewohner haften nicht füreinander.

Das ist die Variante mit dem höchsten Aufwand und dem höchsten Ertrag. Höherer Aufwand, weil du drei Verträge, drei Abrechnungen und drei Wechsel im Jahr statt einem hast. Höherer Ertrag, weil Zimmer je Quadratmeter deutlich teurer vermietet werden als eine ganze Wohnung – Kleinstwohnungen unter 30 Quadratmetern erreichen in Bochum im Median 11,09 Euro je Quadratmeter, während die Stadt insgesamt bei 8,76 Euro liegt.

VarianteMiete je MonatJe m² (95 m²)Leerstandsrisiko
Ganze Wohnung an eine WG, ein Vertrag855 €9,00 €bei der Mietergruppe
Drei Zimmer einzeln, je 20 m² plus Gemeinschaftsfläche3 × 340 € = 1.020 €10,74 €bei dir, je Zimmer
Unterschied im Jahr+1.980 €––

Beispielrechnung, gerundet. Vergleichsgrößen: Median-Angebotsmiete Bochum 8,76 €/m², Wohnungen unter 30 m² 11,09 €/m², empirica/VALUE im Wohnungsmarktbarometer der Stadt Bochum, Stand 2025. Die Mietansätze im Beispiel sind frei gewählt.

Fast 2.000 Euro mehr im Jahr – solange alle drei Zimmer belegt sind. Steht ein Zimmer zwei Monate leer, schmilzt der Vorsprung auf gut 1.300 Euro. Dieses Modell lohnt sich dort, wo die Nachfrage verlässlich ist.

Warum das rund um die Ruhr-Universität der Normalfall ist

An der Ruhr-Universität Bochum sind rund 37.650 Menschen eingeschrieben, an der Hochschule Bochum weitere gut 9.500, stadtweit sind es rund 56.000 Studierende. Ein großer Teil von ihnen sucht kein eigenes Apartment, sondern ein Zimmer. Deshalb ist der WG-Vertrag in den Stadtteilen an der U35 der häufigste Vertragstyp, den wir sehen.

In Querenburg, direkt am Campus, liegt die amtliche Median-Miete bei 8,00 Euro je Quadratmeter und die Eigentumsquote bei nur 25 Prozent – ein ausgeprägter Mieterstadtteil mit der geringsten Wohnfläche je Person in ganz Bochum, 27,7 Quadratmeter. Wer hier Zimmer vermietet, vermietet in einen Markt hinein, der auf kleine Einheiten eingestellt ist.

In Wiemelhausen sieht es anders aus: 9,95 Euro je Quadratmeter im Median, gründerzeitliche Altbauten mit großen Grundrissen entlang der U35-Strecke zwischen Hauptbahnhof und Campus. Große Altbauwohnungen mit vier oder fünf Zimmern sind hier klassische WG-Objekte – und sie bringen als WG mehr Miete als bei der Vermietung an eine Familie.

Laer verändert sich gerade am schnellsten. Auf dem früheren Opel-Gelände ist der Technologiecampus MARK 51°7 entstanden, daneben wächst der Ostpark mit rund 1.300 Wohneinheiten. Die Median-Miete liegt bei 8,24 Euro und damit über dem Median des Bezirks Ost. Hier mischt sich studentische Nachfrage mit der von Beschäftigten der neuen Institute.

Modell 3: Hauptmieter mit Untermietern

Eine Person unterschreibt bei dir, die anderen schließen Untermietverträge mit ihr ab. Für dich ist das die einfachste Konstruktion: ein Ansprechpartner, ein Zahlungspflichtiger, eine Kaution. Der Hauptmieter trägt das Risiko, wenn ein Zimmer leer steht.

Der Preis dafür ist Kontrollverlust. Wer tatsächlich in deiner Wohnung wohnt, entscheidet der Hauptmieter, nicht du – jedenfalls solange du die Untervermietung erlaubt hast. Und du musst sie in aller Regel erlauben, wenn ein berechtigtes Interesse besteht. Wie weit dieser Anspruch reicht und wann du einen Zuschlag verlangen darfst, steht im Beitrag zur Untervermietung.

Praktischer Rat: Wenn du dieses Modell wählst, nimm eine Klausel auf, nach der du über jeden Untermieter vorab informiert wirst und ein Ablehnungsrecht aus wichtigem Grund behältst. Und denk an die Wohnungsgeberbestätigung – die brauchst du für jede Person, die sich anmeldet, auch für Untermieter.

Was in jeden WG-Mietvertrag gehört

  1. Alle Namen im Rubrum

    Jede Person, die dauerhaft einzieht, gehört in den Vertrag. Wer nur „und Mitbewohner“ schreibt, hat später niemanden in der Haftung.

  2. Empfangsvollmacht

    Eine Klausel, dass jeder Mieter die anderen zur Entgegennahme von Erklärungen bevollmächtigt. Sonst musst du jede Kündigung und jede Mieterhöhung an alle zustellen.

  3. Wechselklausel

    Regelt Ein- und Austritt einzelner Personen per Nachtrag, mit deiner Zustimmung.

  4. Kaution

    Eine Kaution für die Wohnung, höchstens drei Nettokaltmieten, auf einem getrennten Konto.

  5. Belegungshöchstzahl

    Eine Obergrenze für die Zahl der Bewohner schützt vor Überbelegung und vor Streit über den Wasserverbrauch.

Vor dem Einzug gehört zu jedem Bewohner eine eigene Prüfung. Wie das rechtssicher geht, steht in den Beiträgen zur Mieterselbstauskunft und zur Bonitätsprüfung. Bei Studierenden ohne eigenes Einkommen läuft die Absicherung meist über eine Elternbürgschaft. Wie eine Vermietung an Studenten in Bochum von der Ausschreibung bis zur Übergabe abläuft, steht auf der eigenen Seite dazu.

Gut zu wissenDie Wirksamkeit einzelner Klauseln in Mehrpersonenverträgen wird regelmäßig vor Gericht geprüft. Lass einen Vertrag, den du mehrfach verwenden willst, einmal von einem Anwalt für Mietrecht durchsehen.

Die übrigen Pflichten und Rechte stehen gesammelt im Ratgeber für Vermieter.

Häufige Fragen zum WG-Mietvertrag

Muss ich einen Mieterwechsel in der WG akzeptieren?
Ohne Wechselklausel im Vertrag nicht. Du kannst dann frei entscheiden, ob du einer Vertragsänderung zustimmst. Mit Wechselklausel bist du gebunden, darfst aber aus wichtigem Grund ablehnen – etwa wenn die vorgeschlagene Person offensichtlich zahlungsunfähig ist. Für dich ist die Klausel trotzdem meist der bessere Weg, weil sie ständigen Neuverhandlungen vorbeugt.
Kann ein einzelner WG-Bewohner allein kündigen?
Bei einem gemeinsamen Mietvertrag nicht. Die Kündigung müssen alle Mieter gemeinsam aussprechen, sonst ist sie unwirksam. Ein einzelner Auszug ändert an der Haftung nichts – wer im Vertrag steht, haftet für die volle Miete weiter. Genau deshalb ist die Wechselklausel so wichtig: Sie schafft den geordneten Ausstieg, den das Gesetz nicht vorsieht.
Wie hoch darf die Kaution bei drei Mietern sein?
Höchstens drei Nettokaltmieten für die Wohnung insgesamt, nicht je Person. Bei 900 Euro Nettokaltmiete sind das 2.700 Euro, egal ob eine oder vier Personen einziehen. Du musst die Kaution getrennt von deinem Vermögen anlegen und verzinsen. Bei Einzelmietverträgen je Zimmer gilt die Grenze dagegen je Vertrag, bezogen auf die jeweilige Zimmermiete.
Lohnt sich Zimmervermietung gegenüber der Vermietung der ganzen Wohnung?
Am Quadratmeterpreis gemessen ja – kleine Einheiten erzielen deutlich mehr. Dem stehen mehr Verwaltungsaufwand, mehr Wechsel und das Leerstandsrisiko je Zimmer gegenüber. In Lagen mit verlässlicher Nachfrage, etwa entlang der U35 zwischen Innenstadt und Campus, geht die Rechnung meist auf. In Randlagen mit dünner Nachfrage ist der gemeinsame Vertrag mit einer WG die ruhigere Wahl.

Kurz zusammengefasst

Der gemeinsame Vertrag mit allen Namen gibt dir die stärkste Position: Jeder haftet für die volle Miete. Einzelverträge je Zimmer bringen mehr Miete je Quadratmeter, verlagern das Leerstandsrisiko aber auf dich. Das Hauptmietermodell ist am bequemsten und kostet dich die Kontrolle darüber, wer einzieht.

Egal welches Modell: Nimm eine Wechselklausel und eine Empfangsvollmacht auf, halte die Kaution bei drei Nettokaltmieten für die Wohnung und prüfe jede Person einzeln. Rund um die Ruhr-Universität ist die Nachfrage groß genug, dass du dir die passende Konstruktion aussuchen kannst.

Vier Zimmer und keine Idee, wie du sie besetzt?

Aus über 1.000 vermieteten Einheiten wissen wir, welche Grundrisse als WG funktionieren und welche nicht. Davon hast du den Vorteil, dass dein Zimmer besetzt ist, bevor das Semester beginnt.

Christian Gottschling im Beratungsgespräch am Fenster, gegenüber ein Gesprächspartner mit Kaffeetasse
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Christian Gottschling

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Geschäftsführer der GOTTSCHLING Immobilien GmbH · Termine bei dir vor Ort in Bochum

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