Vermietet verkaufen

Wie viel weniger bringt eine vermietete Wohnung?

Rund 20 Prozent weniger als leer. Das ist der Erfahrungswert aus der eigenen Vermarktungspraxis, und er gilt nur bei einem üblichen Mietvertrag: keine Inklusivmiete, alle Betriebskosten umlegbar, Miete nahe am Markt, Verhältnis zum Mieter unbelastet. Passt das nicht, wird der Abschlag deutlich größer. In einem realen Fall waren es rund 50 Prozent.

Die Frage kommt fast immer in derselben Form: Soll ich warten, bis der Mieter auszieht? Eine Zahl dafür gibt es, sie steht oben. Ob sie für dich trägt, entscheidet dein Mietvertrag. Den vollständigen Ablauf beschreibt die Seite Vermietete Wohnung verkaufen in Bochum.

Zwei völlig verschiedene Käufergruppen

Ein Selbstnutzer kauft ein Zuhause. Er zahlt für Gefühl, Lage und Grundriss und kann sich in einen Balkon verlieben. Ein Kapitalanleger kauft eine Zahlung. Er rechnet: Jahresnettokaltmiete geteilt durch Kaufpreis ergibt die Rendite, davon gehen Hausgeld, Instandhaltung und Steuern ab.

Wenn ein Mieter drin wohnt, fällt die erste Gruppe weg. Weniger Interessenten bedeuten weniger Konkurrenz um dein Objekt — und damit in der Regel einen niedrigeren Preis.

Rund 20 Prozent — aber nur bei einem üblichen Mietvertrag

Aus der eigenen Vermarktungspraxis lässt sich eine Zahl nennen: Eine vermietete Wohnung bringt rund 20 Prozent weniger als dieselbe Wohnung leer. Das ist ein Erfahrungswert, keine Statistik. Und er gilt nur, wenn dein Mietvertrag üblich ist.

Üblich heißt vier Dinge:

  • Keine Inklusivmiete. Der Mieter zahlt Kaltmiete und darauf eine Vorauszahlung für die Nebenkosten. Ein Käufer sieht dann sofort, was am Ende übrig bleibt.
  • Alle Betriebskosten sind umlegbar. Was der Eigentümer selbst trägt, zieht ein Anleger von seiner Rendite ab. Jeder Euro, der monatlich bei dir hängen bleibt, kostet dich im Kaufpreis ein Vielfaches.
  • Die Miete liegt nicht deutlich unter Markt. Die Lücke zur ortsüblichen Vergleichsmiete verkaufst du mit. Sie ist der teuerste Posten im ganzen Vorgang.
  • Das Verhältnis zum Mieter ist unbelastet. Kein Streit, keine Rückstände, keine offene Akte. Ein Käufer kauft die Geschichte mit, die im Ordner liegt.

Passt einer dieser Punkte nicht, wird der Abschlag größer. Passen mehrere nicht, wird er sehr viel größer.

Was den Abschlag groß oder klein macht

MerkmalAbschlag eher kleinAbschlag eher groß
Miethöhemarktnah, nahe am Median von 8,76 €/m²deutlich unter Markt, alte Mietverträge
MietmodellKaltmiete plus Vorauszahlung, sauber getrenntInklusivmiete oder Pauschale für alles
Betriebskostenvollständig auf den Mieter umlegbarTeile bleiben beim Eigentümer hängen
Mieterzahlt pünktlich, lange dabeiRückstände, Streit, häufiger Wechsel
UnterlagenMietvertrag, Nachweise, Abrechnungen vollständigVertrag lückenhaft oder nicht auffindbar
Wohnungsgrößekleine bis mittlere Wohnungengroße Wohnungen, die Anleger meiden
Lagegefragter Anlegermarkt, gute Anbindungeinfache Lage mit hoher Leerstandsgefahr
Zustandgepflegt, geringer InstandhaltungsstauSanierungsstau, alte Heizung

Einordnung aus der eigenen Vermarktungspraxis, keine amtliche Statistik. Nur die Median-Angebotsmiete Bochum gesamt von 8,76 €/m² nettokalt stammt aus dem Wohnungsmarktbarometer der Stadt Bochum. Stand: 09/2026.

Ein Fall aus Grumme: rund 50 Prozent Abschlag

Wie weit es nach unten gehen kann, zeigt ein Objekt aus der eigenen Vermarktung. 104 Quadratmeter in Grumme, gefragte Lage, auf dem Papier ein gutes Objekt.

Der Mieter zahlte 410 Euro warm. Das Hausgeld allein lag bei 450 Euro. Der Eigentümer hat also jeden Monat draufgezahlt. Die Wohnung war keine Einnahme. Sie war eine Rechnung.

Dazu kam die rechtliche Lage. Ein unbefristeter Mietvertrag endet nur mit einem gesetzlichen Grund, und der lag nicht vor. Der Mieter hat schon bei den Besichtigungen offen gesagt, dass er seine Rechte kennt und sich beraten lässt. Genau dafür ist das Mietrecht da. Für den Preis heißt das trotzdem: Der Vertrag lief weiter, und jeder Käufer musste damit rechnen.

Für den Eigentümer blieben zwei Wege. Weiter jeden Monat Geld verlieren. Oder verkaufen und den Mietvertrag mitgeben. Gekauft hat am Ende jemand, der die Wohnung selbst nutzen wollte und deshalb bereit war, Risiko und ungewisse Wartezeit zu tragen. Genau dieses Risiko hat er sich bezahlen lassen. Die Wohnung ging mit rund 50 Prozent Abschlag gegenüber dem leeren Wert weg.

Eigenbedarf ist kein AutomatismusEine Eigenbedarfskündigung ist ein möglicher Weg für einen Käufer, der selbst einziehen will. Sie ist rechtlich anspruchsvoll, an Fristen gebunden, und der Mieter kann ihr widersprechen. Wer darüber nachdenkt, gehört vorher zu einem Fachanwalt für Mietrecht. Welche Voraussetzungen dafür gelten, steht unter Eigenbedarfskündigung. Diese Seite schildert einen Fall und ersetzt keine Rechtsberatung.

Was du aus dem Fall mitnimmst

Der Punkt an dieser Geschichte ist nicht der Mieter. Der Punkt ist der Vertrag. Ein stark untersetzter Mietvertrag ist der größte einzelne Hebel nach unten, den eine Wohnung hat — größer als Zustand, größer als Lage.

Und er ist der einzige Hebel, an dem du drehen kannst, solange dir die Wohnung gehört. Die Miete im gesetzlichen Rahmen an die ortsübliche Miete heranführen, die Betriebskosten sauber umlegen, die Vorauszahlung anpassen oder mit dem Mieter über einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung sprechen. Wer das früh weiß, kann handeln. Wer es erst im Verkauf erfährt, zahlt es.

Warum Bochum ein guter Anlegermarkt ist

Drei von vier Haushalten in Bochum wohnen zur Miete. Bei rund 200.000 Wohnungen in der Stadt ist der Markt für vermietete Objekte entsprechend groß. Dazu kommt: Bochum steht nicht in der Mieterschutzverordnung des Landes. Daraus folgt für Käufer konkret, dass keine Mietpreisbremse gilt, die Kappungsgrenze bei 20 Prozent in drei Jahren liegt statt bei 15 und die Kündigungssperrfrist nach einer Umwandlung drei Jahre beträgt statt acht.

Für Anleger sind das messbare Vorteile. Sie machen eine vermietete Wohnung in Bochum attraktiver als in Städten mit strengerem Mieterschutz. Was die Miete lokal hergibt, zeigt die Übersicht der Mietpreise in Bochum.

Warten oder jetzt verkaufen?

Wer auf den Auszug wartet, trägt weiter Hausgeld, Instandhaltung und Zinsen — und hat kein Datum. Eine Eigenbedarfskündigung kommt nur infrage, wenn du selbst oder Angehörige einziehen wollen; sie ist kein Werkzeug, um leer zu verkaufen. Ein Aufhebungsvertrag mit Abfindung ist möglich, aber freiwillig, und der Mieter muss zustimmen.

Rechne beide Wege durch: erwarteter Mehrerlös bei Leerstand gegen Kosten des Wartens plus Abfindung. Häufig ist der Unterschied kleiner als gedacht. Wie der Wert vermietet ermittelt wird, erklärt das Lexikon zum Ertragswertverfahren.

Gut zu wissenBei einer umgewandelten Wohnung hat dein Mieter in der Regel ein Vorkaufsrecht zu den Bedingungen des Kaufvertrags. Was das bedeutet, steht unter Vorkaufsrecht des Mieters. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen dazu

Sind es immer rund 20 Prozent?
Nein. Rund 20 Prozent ist der Erfahrungswert aus der eigenen Vermarktungspraxis, und er gilt für einen üblichen Mietvertrag: keine Inklusivmiete, alle Betriebskosten umlegbar, Miete nicht deutlich unter Markt, ein unbelastetes Verhältnis zum Mieter. Fehlt einer dieser Punkte, wird der Abschlag größer. In einem Fall in Grumme waren es rund 50 Prozent, weil die Miete nicht einmal das Hausgeld deckte.
Muss der Mieter dem Verkauf zustimmen?
Nein. Du kannst deine Wohnung jederzeit verkaufen, der Mietvertrag läuft unverändert weiter. Der Käufer tritt in deine Stellung als Vermieter ein, Kaution und Vertragsbedingungen gehen mit über. Informieren solltest du den Mieter trotzdem früh und fair, weil du für Besichtigungen auf seine Mitwirkung angewiesen bist.
Wie oft darf ich mit Interessenten in die Wohnung?
Besichtigungen müssen angekündigt werden und in zumutbarem Rahmen bleiben. Übliche Praxis sind wenige Termine mit Vorlauf und zu normalen Tageszeiten, oft gebündelt. Ein Mieter muss keine offene Tür für jeden Interessenten dulden. Wer ihn einbindet und Termine abstimmt, bekommt fast immer eine kooperative Lösung.
Lohnt sich eine Abfindung für den Auszug?
Manchmal. Rechne den erwarteten Mehrerlös bei leerer Übergabe gegen Abfindung, Leerstandszeit und laufende Kosten. Bei kleineren Wohnungen in einfacher Lage lohnt es sich selten, bei größeren Wohnungen in gefragten Lagen eher. Der Mieter muss dem Aufhebungsvertrag zustimmen — erzwingen lässt sich das nicht.
Zahlt ein Anleger weniger als ein Selbstnutzer?
In der Regel ja, weil er mit einer Rendite rechnet statt mit einem Wunsch. Wie groß der Unterschied ausfällt, hängt vor allem an der Miete: Liegt sie nahe am ortsüblichen Niveau, ist der Abstand klein. Ein alter Mietvertrag weit unter Markt drückt den erzielbaren Preis dagegen spürbar.

Kurz zusammengefasst

Vermietet kaufen nur Anleger, leer kaufen alle. Der Abschlag liegt erfahrungsgemäß bei rund 20 Prozent — solange dein Mietvertrag üblich ist.

Üblich heißt: keine Inklusivmiete, alle Betriebskosten umlegbar, Miete nicht deutlich unter Markt, Verhältnis zum Mieter unbelastet. Fehlt davon etwas, wird der Abschlag größer. In Grumme waren es rund 50 Prozent, weil die Miete das Hausgeld nicht deckte und der Vertrag praktisch nicht kündbar war.

Bochum ist ein starker Anlegermarkt: 75 Prozent Mieterhaushalte, kein Eintrag in der Mieterschutzverordnung, Kappungsgrenze 20 Prozent.

Warten kostet Geld und hat kein Datum. Rechne beide Wege durch — die Zahlen dafür liefert die Wohnungsbewertung in Bochum.

Vermietet oder leer verkaufen?

Wir rechnen dir beide Wege mit deinen Zahlen durch, bevor du dich entscheidest.

Christian Gottschling spricht mit Mikrofon auf einer dunklen Bühne und erklärt etwas mit offener Handbewegung
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